|
Im heutigen Land
Brandenburg, inmitten der Prignitz, von den vier Städten
Perleberg, Pritzwalk, Kyritz und
Havelberg,
ca. 20 km entfernt, liegt unser heutiges Dorf Kunow. Sein Name
sagt schon, dass es eine
ehemalige wendische Siedlung ist.
Erstmalige Hinweise auf die Gründung von Kunow deuten auf das
Jahr 946 hin. Um diese Zeit liegt auch der erste
Kirchenbau.
Auch wenn der Ortsname Kunow im Laufe der Zeiten mehrfach
verschieden geschrieben wurde, wie 1305 Kunaw,
1484 Konow, 1581
Kunow, 1592 Konow, 1652 Cunow, 1686 Cuno und zuletzt Kunow, so
führt der Ortsname
Kunow auf wendische Wort
Kunowa zurück. Laut ''Brandenburgisches Namensbuch -
Herausgeber:
Sophie Wauer - Band 6 - Weimar 1989", findet
Kunow folgende Erklärung: Kon'ov - Ort, wo es Pferde gibt bzw.
Ort eines - Kon", kon" - Pferd. Eine andere
Erklärung deutet auf Cona hin, was soviel wie Marder bedeutet.
Für diese Deutung spricht die Tatsache, daß einst das Siegel
der Gemeinde einen springenden Marder trug.
Wie dem auch sei: Der nödliche Teil des Dorfes deutet noch heute
die Gestalt eines offenen wendischen
Rundlings an, in
dessen Mitte die Kirche erbaut wurde. Der Volksmund nennt diesen
Teil den Ort. Das spricht
dafür, dass hier das
eigentliche Wendendorf gestanden hat. Daran wurde dann im Laufe
der Zeiten die westliche
Straßenzeile gebaut.
Das Wendendorf hatte schon im Jahre 946 die östliche
Nachbarsiedlung Beckenthin oder
einfach nur Benthin
genannt. Dicht hinter dem Dorfbach der Beke hat man beim Pflügen
Mauerreste dieser
ehemaligen Siedlung gefunden, die dem
Domkapitel zu Havelberg zinspflichtig war. In alten Akten heißt
es:
"... und endlich hat das Domkapitel
beigebracht, daß die halbe Feldmark Bäckenthin (das heutige
Beckenthin)
ihr schon bei ihrer Stiftung vom Kaiser Otton dem
1. als frexe Gebür übergeben worden". Bald vereinigten sich
die
Ortschaften Kunow und Beckenthin zu einer Gemeinde. Auch darüber
geben die Akten Auskunft, wenn sie
erzählen, "dass nun
Beckenthin und Kunow seit uralten Zeiten sich miteinander
combinirt haben oder in eines
gezogen worden
sind", oder wie ein Quitzowsches Erbregister aus dem Jahre 1625
berichtet, ,,dass bei Cunow
eine Feldmark liegt,
so Beckenthin genannt wurde, welche Feldmark die Cunowschen von
jeher und so lange
Menschen gedenken
können im Gebrauch haben".
Die Feldmark Beckenthin umfasste 27 Hufen, die Feldmark Kunow 38
Hufen, sodass die gesamte Kunower
Feldmark 65 Hufen groß war (1
Hufe = 45 - 60 Morgen oder soviel, wie für eine Familie
ausreichend;
ab 1900: 1 Hufe = 30 Morgen). Die Kunower
- Beckenthiner Bauern waren außer dem Dom zu Havelberg noch
den
Quitzows auf Burg Kletzke, die die Gerichtsbarkeit über den Ort
hatten, zinspflichtig. Schon 1376 aber
verpfändeten die
Quitzows dem Bischof zu Havelberg Hebungen von dem
Schulzengerichte und dem halben
Dorf Kunow -
Beckenthin. Der Bischofsdomrat
zu Havelberg beleiht im Jahre 1448 Philipp Priggenitz mit
7
Hufen einen Viertel auf der Feldmark
Beckenthin (Riedel, Codex).
Im Jahre 1424 hatte Hans Prignitz den armen Leuten zu Kunow zwei
Schock Kühe gewaltsam und widerrechtlich
genommen (Riedel,
Codex). Kunow schien ein begehrtes einträgliches Lehen zu sein; denn auch den
"von Saldern" auf Plattenburg
hatten die Kunower 1713 Zins zu entrichten. "Es zeigen die
Lehnbriefe des
Appellaten (des Grafen Alexander Friedrich
von Kameke zu Kletzke) als derer von Quitzow von 1581, 1600,
1658,
1688 und 1713, dass selbige mit 3 ½
Hufe auf der Feldmark Beckenthin beliehen sind. Ferner zeigt der
Lehnbrief
vom 16. September 1713, dass die von Saldern mit ¼ der quaste Feldmark beliehen sind".
Eine alte adlige Prignitzer Familie ist die der Herren von
Kunow. Als namensgebender Stammsitz ist zweifellos
unser Dorf
anzusehen. Es ist anzunehmen, dass Kunow von einem
Familienmitglied der großen Familiengruppe
Quitzow (Kletzke) in
Besitz genommen wurde, die von dem neuen Besitz wiederum einen
neuen Familiennamen
ableitete.
Das alte, von der Familie Konow (Kunow) übernommene Stammwappen,
wurde beibehalten. Bei der ersten
urkundlichen
Erwähnung des Dorfes im Jahre 1305 sind die Herren "von konow"
nicht mehr Besitzer des Ortes,
sondern die
Markgrafen, die Dorf und Kirche dem Stift Havelberg schenkten.
Die "von konow" behielten jedoch
anderweitig
Lehnbesitz in ihrer Stammheimat; bis zu ihrem Aussterben. Schon
1295 erscheinen die "von konow"
als Urkundenzeugen,
wie Riedels Urkundensammlung ausweist, neben denen "von
Wardenburg" und einem
"von Quitzow". Aus
unserem Ort soll die gleichnamige Pritzwalker
Bürgermeisterfamilie stammen.
Vor 1385 - 1872 hatte Kletzke die Herrschaft über Kunow und
Beckenthin. Im Jahre 1576 waren 28 Hüfner,
9 Kossäthen,
darunter ein Schmied vorhanden.
Der für ganz Deutschland verheerende Dreißigjährige Krieg machte
aus unserem Dorf fast einen Trümmerhaufen.
Plündernde Söldner,
Hunger und Pest ließen das Dorf zusammenschrumpfen. Im Jahre
1652, vier Jahre nach
Beendigung des
Krieges, finden wir ein Protokoll des Landreiters Samuel Rose,
der den Einwohnerstand
beider Prignitzer
Kreise aufzustellen hatte. Es hatten sich bereits zu dieser Zeit
16 Hofwirte mit
48 Personen, davon 9
Hüfner und 7 Kossäthen.
Während der jahrelangen langsamen Erholung und Ruhe des Landes,
kam dann die Fahrpost. Kunow lag an
der Strecke Berlin -
Hamburg. Am Nordende des Dorfes war die Schenke. Dort wurden
nach kurzer Rast die
ermüdeten Pferde gewechselt.
Dann kamen die unglücklichen Jahre 1806 und 1807. Durchziehende
Truppen und ungeheure Kontributionen
stellten wiederum ungeahnte
Anforderungen an das Dorf. Doch der Fleiß und die Zähigkeit der
Bauern ließ
auch diese schwere
Zeit vorübergehen. Durch die Aufhebung der Hörigkeit der Bauern
(Steinsche Reformen am
09.10.1807) machte auch unsere
Hofwirte im Laufe von Jahrzehnten zu freien Bauern.
Tätigen Anteil nahmen auch unsere Gemeindemitglieder an den
Befreiungskriegen. Die Blutopfer blieben unserer
Gemeinde nicht
erspart. In den Jahren 1839 und 1850 wurde Kunow von zwei großen
Bränden heimgesucht.
Mehrere damals neu
errichtete Fachwerkbauten tragen Inschriften von diesem Unglück:
>> Bauherr Johann Christian Schulz / Frau Maria Dorothea;
geborene Marth /
abgebrannt am 18.09. 1839 / aufgebaut am 25.04.1840
>> Bauherr Joachim Granzow / Frau Marie Elisabeth Braband;
"Unser müh und arbeit richt nicht aus, wo Gott der Herr nicht
baut das Haus."
Durch Brand vernichtet; den 17. und 18. Juni 1850; wieder
aufgerichtet den 5. Mai 1851.
Die Häuser konnten nur dadurch soll schnell aufgebaut werden, da
die Leute aus umliegenden Dörfern
aufeinander
angewiesen waren. So haben die Fuhrwerkshalter Steine, Kies usw.
angefahren und sich
untereinander
geholfen. Die Chaussee von
Berlin nach Hamburg wurde in den Jahren 1829/1830 gebaut.
Geplant war auch der Bau von Groß Welle - alter
Postweg - nach Döllen.
Die Friedenseiche fand ihren Platz vor der Kirche 1871 und die
Linden an der Dorfstraße pflanzte jeder vor
seinem Grundstück im Jahre
1882/1883. Dazu ernannte der Gemeindevorsteher Lüdeke einen
Bestimmten
Tag, damit alle Bäume in einer
Flucht gepflanzt werden konnten.
Die Bahnverbindung zwischen Lindenberg und Glöwen wurde im Jahre
1912 dem Verkehr übergeben.
"Unser Pollo" war als reine
Wirtschaftsbahn gedacht; die Personenbeförderung kam erst später
hinzu.
Kunow war bis 1914 zu einem blühenden
wohlhabenden Dorf von ca. 500 Seelen gewachsen.
Die schweren
Opfer des 1. Weltkrieges; 16 Gefallene in der Gemeinde, den
Verlust des gesamten
angesammelten
Vermögens, hat auch Kunow schwer erschüttert.
Die nun folgenden Jahre des dauernden Niedergangs der deutschen
Wirtschaft haben weiter dazu geführt,
dass viele Bauern
stark verschuldeten. Die Mutlosigkeit griff immer wieder um
sich. Zu Ehren der 16 gefallenen
Helden hat man nach dem 1.
Weltkrieg ein Denkmal mit deren Namen gesetzt. Es stand bis in
die 60er Jahre
am Giebel nahe der
ehemaligen Raiffeisenbank. Für
die 16 Gafallenen pflanzte die Gemeinde zusammen mit
dem
Kriegerverein 16 Eichen auf diesem dreieckigen
Platz und alljährlich ihrer Kriegstoten.
Das Kriegerdenkmal fand
bei der Neugestaltung des Kirchhofs in den 60er Jahren - während
der Amtszeit von
Pfarrer Dahms -
seinen Platz an der Ostmauer.
Kunow ist ein typisches Straßendorf mit einem Dorfanger, auf dem
die Kirche steht. Die Bebauung ist
überwiegend eingeschossig,
vereinzelt zweigeschossig. Die Wohnhäuser stehen zumeist in
Traufstellung,
einige wenige auch in Giebelstellung zur
Straße. Nur am Schrepkower Weg befindet sich ein 18 WE- Block
in
des gesamten Dachbodens. 24 Wohnhäuser, die
man als typische Bauernhäuser bezeichnen kann,
befinden sich im
Ort Kunow. Sie bestehen meist aus dem Jungen- und dem Altenteil
und sind 1840,
1850/1851, vor dem
1. Weltkrieg und ein Haus vor dem 2. Weltkrieg gebaut
worden.
Auch im Ort Beckenthin gibt es zwei solcher Bauernhäuser. Zur
Gemeinde Kunow gehört die Siedlung
Beckenthin und das Dorf Krams;
die heutigen Gemeindeteile. Krams wurde 1974 eingemeindet.
Die 1882/1883 gepflanzten Linden der Dorfstraße sind in den 60er
Jahren und die letzten fünf in den 70er Jahren
abgeholzt worden.
Der jetzige Altbaumbestand, vorrangig aus Eichen und Linden,
beginnt erst ab der
Friedenseiche und
auf den Freiflächen zwischen Postweg und Lindenberger Weg. Auf
der rechten Seite des
Lindenberger Weges
stehen
die 16 Eichen, wovon zwei seit längerem der Säge zum Opfer
vielen und eine
vom Sturm im
Dezember 1993 mit der Wurzel
abgeknickt ist. Am Postweg stehen Linden als Alleebäume.
Die
Friedenseiche vor der Kirche (gepflanzt 1871) ist
als Naturdenkmal ausgewiesen.
In Beckenthin herrschte ab 1860 das "Kohlefieber". Die
Kossäthen, die damals zwischen 1 ha und 3 ha
besaßen,
gingen dem Gewerbe der Braunkohlenförderung für etwa 30 Jahre.
Dann wurde die Kohlenförderung
eingestellt,
da es sich nicht mehr lohnte.
Das elektrische Licht wurde im Jahre 1922/1923 in den Häusen
installiert. Das erste Telefon hatten die
Gastwirtschaften
Haase in Kunow und Benn in Beckenthin. Das erste Auto im Ort
besaß der Viehändler
Benno Wolff. Den
ersten Traktor (oder im Volksmund auch "Trecker" genannt) des
Fabrikats Deutz
schaffte sich der
Bürger Emil Breddin an.
Herausgeber:
Ortsbeirat Kunow, im April 2005
Quelle:
Ortskronik der Gemeinde Gumtow / OT Kunow
Ausgewählt, aufgeschrieben
und bearbeitet von:
Sieghilde und Herbert Sabionski, Eberhard Neumann
|